Im letzten Beitrag habe ich mich mit der Aussage “aus dem Falschen folgt das Beliebige” beschäftigt. Ich habe zwei Aussagen betrachtet, deren Gültigkeit voneinander abhängt, und untersucht, welche möglichen Konstellationen zu einer erlaubten Situation führen. Man erinnere sich an das Ergebnis: negiere ich die linke Seite einer Folgerung (“es regnet” wird zu “es regnet nicht”), dann sind beide möglichen Versionen der Aussage auf der rechten Seite erlaubt (“die Straße ist nass” und “die Straße ist nicht nass”).
Nun verwende ich diese Überlegungen um mir anzuschauen, was passiert, wenn ich eine Folgerung “umdrehe”. Was meine ich mit “umdrehen”? Da gibt es zwei Möglichkeiten: Habe ich die Folgerung “wenn A wahr ist, dann ist auch B wahr”, dann kann ich einerseits die Formulierung “wenn A falsch ist, dann ist auch B falsch” untersuchen und andererseits “wenn B wahr ist, dann ist auch A wahr”.
Um das ganze anschaulicher zu machen, bekommen A und B wieder konkrete Inhalte: statt A verwende ich die Aussage “ich bin ein Pony”, aus B wird “ich habe Hufe”. Dann ist “aus A folgt B” richtig, denn ein Pony hat Hufe und wenn ich ein Pony bin, habe ich natürlich auch welche. Wie sehen die beiden Umkehrungen aus? Die erste wird zu “wenn ich kein Pony bin, dann habe ich keine Hufe”, die zweite lautet jetzt “wenn ich Hufe habe, dann bin ich ein Pony”. Sind diese Umkehrungen erlaubt?
Nein! Hier kommen die Überlegungen aus dem Vorgängerbeitrag zum tragen. Es gibt drei Szenarien, die (theoretisch
) möglich sind: 1. Ich bin ein Pony und habe Hufe oder 2. ich bin kein Pony und habe keine Hufe oder 3. ich bin kein Pony und habe trotzdem Hufe. Denn ich könnte ja auch ein Pferd sein, eine Kuh, eine Ziege oder womöglich ein fliegendes Rentier mit roter Nase! Das heißt: Wenn ich kein Pony bin, dann bedeutet das nicht automatisch, dass ich auch keine Hufe habe. Die Umkehrung “wenn ich kein Pony bin, dann habe ich keine Hufe” ist also falsch. Und wenn ich Hufe habe, dann bedeutet es nicht automatisch dass ich ein Pony bin. Also ist auch die Formulierung “wenn ich Hufe habe, dann bin ich ein Pony” nicht richtig.
Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, die Folgerung “wenn A wahr ist, dann ist B wahr” umzudrehen, nämlich “wenn B falsch ist, dann ist auch A falsch”. In der Ponywelt bedeutet das “wenn ich keine Hufe habe, dann bin ich kein Pony”. Und diese Aussage ist richtig, denn ich weiß, dass ein Pony Hufe hat und ich deswegen Hufe haben muss, wenn ich ein Pony bin. Habe ich allerdings keine Hufe, dann kann es auch nicht sein, dass ich ein Pony bin.
Da ich diesen Beitrag auf einer Computertastatur getippt habe und dafür mindstens achteinhalb meiner zehn Finger zum Einsatz kamen, könnt ihr ziemlich sicher davon ausgehen, dass ich keine Hufe habe. Und was schließen wir daraus? Ich bin kein Pony, zumindest nicht von außen!